Hochzeitssuppe im Wildpark-Restaurant

Hochzeitssuppe

Variantenreiche Tradition: Hochzeitssuppe

Löffel für Löffel auf den neuen Lebensweg

Einfach nur Brühe mit ein paar Klößen drin? Von wegen! In Nord- wie in Süddeutschland wird die Hochzeitssuppe nicht nur mit feinsten Zutaten bereitet, sondern hat auch eine bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Tradition. Schließlich symbolisiert sie den künftigen Weg des Paares: Sie ist die erste gemeinsame Lebenssuppe, die die beiden auszulöffeln haben. Das unter den gestrengen Augen der Gäste. Herrscht Gleichtakt? Wer tunkt seinen Löffel zuerst in die Speise und wird damit künftig das Sagen in der Ehe haben? Beginnt das Paar gemeinsam und wird demzufolge eine lange, glückliche Ehe führen? Und: Ist die Suppe auch kräftig genug, um eine gute Grundlage für den gemeinsame Start in die Zukunft zu bilden?

Mit Mühe und Geduld

Heute wird die Tradition nicht mehr ganz so eng gesehen. Aber auch wenn die Hochzeitsuppe oft, wie auch im Wildpark-Restaurant, auf der täglichen Speisenkarte zu finden ist – drei Dinge sind geblieben: Die wertigen Zutaten, die reichhaltigen Einlagen und die lange Zubereitungszeit. Denn auch heute noch gilt: Eine gute Hochzeitssuppe zu kochen macht so viel Arbeit wie eine gute Ehe.

Kräftige Brühe – regionale Vielfalt

In einem sind sich alle einig: Basis ist eine kräftige Brühe, die aus Fleisch oder Knochen gekocht wird. Mancherorts wird sogar Rinder- und Hühnerbrühe getrennt zubereitet und dann zusammengegossen. In der türkischen Variante, Dügün Çorbasi, bildet Lammbrühe die Grundlage. Und Salz gehört in die Suppe, denn das sorgt für gesunde Kinder! Dann scheiden sich die regionalen Geister, denn in die Altländer Hochzeitssuppe gehören gewürfeltes Rindfleisch, Porree, Eierstich und Rosinen. In der Altmark schmeckt sie mit Hackklößchen, Eierstich und Spargel, teils auch mit Knollensellerie, Porree, Karotten, gewürfeltem Hühnerfleisch und Eierstich. Im Land Hadeln wird sie mit Fleischklößchen, Reis, Blumenkohl und Spargel und nie ohne Stuten als Beilage serviert, und in der bayerischen Variante sind häufig Biskuitrauten zu finden. Mark-, Leber- oder Brätknödel, Pfannkuchenstreifen, auch schwäbisch Flädle genannt, Rindfleisch- und Hähnchenfleischwürfel, Maultaschenstreifen, Leberspätzle oder Backerbsen – all das macht je nach Region eine reichhaltige Hochzeitssuppe aus.

Politik ausgetrickst

Und warum das alles? Der Brautvater demonstrierte so seinen Wohlstand und seine Großzügigkeit, denn gerade in ländlichen Gebieten galt es oft, ganze Dorfgemeinschaften zu verpflegen. Auch die Politik hatte ihren Einfluss auf das Rezept. Die Ulmer Hochzeitsordnung von 1420 etwa legte fest, dass nur drei Gänge mit je acht Schüsseln für die ganze Gästeschar zu kochen seien. Die Maßnahme, die vor Überschuldung schützen sollte, schlug zurück: Die Vorspeise wurde mit allem gefüllt, was da war!

Die Tradition der Hochzeitssuppe als erstem gemeinsamen Mahl des frisch getrauten Paares gibt es übrigens nicht nur in Deutschland. Rund um den Globus – in Indien und der Türkei, in Israel und in Italien – wird mit dem ersten Löffel Hochzeitssuppe der Weg in ein gemeinsames Leben begonnen.

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